
{"id":7845,"date":"2025-05-27T10:05:01","date_gmt":"2025-05-27T08:05:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lindenauschule.de\/?p=7845"},"modified":"2025-05-27T10:05:01","modified_gmt":"2025-05-27T08:05:01","slug":"zeitzeuge-berichtet-an-der-lindenauschule-ueber-sein-leben-in-der-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lindenauschule-hu.de\/?p=7845","title":{"rendered":"Zeitzeuge berichtet an der Lindenauschule \u00fcber sein Leben in der DDR"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor dem fr\u00fcheren Tag der Deutschen Einheit am 17. Juni \u2013 dem Gedenktag an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 \u2013 besuchte der Zeitzeuge Rolf Leipold die Lindenauschule in Hanau-Gro\u00dfauheim. Dort sprach er mit den Politik- und Geschichtskursen der Jahrgangsstufe 10 \u00fcber seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen in der DDR.<\/p>\n<p>\u201eDas Leben in der sogenannten \u00a2Deutschen Demokratischen Republik\u00a2 war alles andere als demokratisch\u201c, erkl\u00e4rte Leipold gleich zu Beginn seines Vortrags. Er lebte und arbeitete mit seiner Familie 33 Jahre lang in Th\u00fcringen, im damaligen Ostdeutschland. 1984 stellte er einen Ausreiseantrag \u2013 f\u00fcr ihn ein endg\u00fcltiger Bruch mit dem politischen System der DDR, das er als diktatorisch empfand. Kurz vor dem Mauerfall wurde er ausgeb\u00fcrgert.<\/p>\n<p>In seinem rund zweist\u00fcndigen Vortrag spannte Leipold einen Bogen von den Anf\u00e4ngen des Mauerbaus und der innerdeutschen Grenze bis hin zum Alltag in der DDR. Besonders eindrucksvoll schilderte er pers\u00f6nliche Erlebnisse, etwa zur Lebensmittelknappheit, dem st\u00e4ndigen \u201eSchlange stehen\u201c oder den stark eingeschr\u00e4nkten Reisem\u00f6glichkeiten. \u201eFreies Reisen und Meinungsfreiheit sind keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 sie sind ein hohes demokratisches Gut, f\u00fcr das ihr dankbar sein solltet\u201c, appellierte er eindringlich an die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>Leipold verschwieg jedoch auch nicht die positiven Aspekte des damaligen Systems: So seien die medizinische Versorgung sowie die Kinderbetreuung gut organisiert gewesen, und der gesellschaftliche Zusammenhalt habe in vielen Bereichen st\u00e4rker gewirkt als heute. Dennoch \u00fcberwogen f\u00fcr ihn die negativen Erfahrungen. Die ideologische Indoktrination \u2013 insbesondere bei Kindern \u2013 sowie die allgegenw\u00e4rtige \u00dcberwachung und Bespitzelung durch den Staat machten das Leben f\u00fcr ihn unertr\u00e4glich.<\/p>\n<p>Seine Ausreise wurde schlie\u00dflich durch die Bundesrepublik Deutschland erkauft \u2013 f\u00fcr 40.000 D-Mark. \u201eModerne Form des Menschenhandels\u201c, nannte Leipold dieses System, bei dem die DDR an der Ausb\u00fcrgerung eigener B\u00fcrger finanziell profitierte.<\/p>\n<p>Rolf Leipold ist aktives Mitglied im Sozialverband VdK Hessen-Th\u00fcringen, der eine enge Kooperation mit der Lindenauschule pflegt. In seiner Funktion engagiert er sich f\u00fcr die historische Aufarbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit und sucht gezielt den Dialog mit jungen Menschen in Schulen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss betonte Leipold: \u201eEin Leben in Freiheit und mit demokratischen Werten ist eines der h\u00f6chsten G\u00fcter, f\u00fcr das wir jeden Tag dankbar sein sollten.\u201c<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verabschiedeten sich nach zahlreichen interessierten Nachfragen beeindruckt von einem bewegenden Zeitzeugenbericht, der ihnen einen authentischen Einblick in ein Leben hinter der Mauer gab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Steffen Schleicher<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor dem fr\u00fcheren Tag der Deutschen Einheit am 17. Juni \u2013 dem Gedenktag an den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953 \u2013 besuchte der Zeitzeuge Rolf Leipold die Lindenauschule in Hanau-Gro\u00dfauheim. 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