
{"id":2474,"date":"2019-12-19T12:17:42","date_gmt":"2019-12-19T11:17:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lindenauschule.de\/?p=2474"},"modified":"2020-01-26T10:23:39","modified_gmt":"2020-01-26T09:23:39","slug":"lindenauschule-macht-geschichte-erlebbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lindenauschule-hu.de\/?p=2474","title":{"rendered":"Lindenauschule macht Geschichte erlebbar"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eEs geht um diese eine Nacht, am 19. M\u00e4rz 1945, in der Hanau aufgeh\u00f6rt hat zu existieren.\u201c Geschichte erlebbar machen \u2013 darum ging es am Freitag, den 13. Dezember in der Lindenauschule in Hanau-Gro\u00dfauheim. Anl\u00e4sslich des 75. Jahrestages der Bombardierung der Stadt Hanau f\u00fchrten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der zehnten Klassen sowie eines Geschichtskurses des zw\u00f6lften Jahrgangs Gespr\u00e4che mit f\u00fcnf Zeitzeugen. Diese, die \u00c4lteste mit stolzen 98 Jahren, sprachen \u00fcber ihr Leben und Erleben in dieser schweren Zeit. Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation mit dem Fachbereich Kultur der Stadt Hanau.<\/p>\n<p>\u201eGeschichte, die begreifbar und somit erlebbar ist, wird niemals vergessen.\u201c, so Steffen Schleicher, Lehrer der Lindenauschule. Zusammen mit seiner Mitorganisatorin Regina Shams er\u00f6ffnete er die Veranstaltung, gefolgt von einem kurzen Vortrag des Leiters des Fachbereichs Kultur der Stadt, Martin Hoppe. Hier konnten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler anhand der mitgebrachten Fotografien eine bildliche Vorstellung der tragischen Ereignisse machen. \u201eDas ist quasi die letzte Chance, etwas mitzuerleben und f\u00fcr nachfolgende Generationen etwas mitzunehmen\u201c, so Hoppe. Es sei eine ganz schwierige Zeit gewesen, der man sich stellen m\u00fcsse. Den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern heute stehe die Welt offen. Die Zeitzeugen mussten in diesem Alter selbst in den Krieg ziehen und \u201eaus dem Nichts das Leben wieder in den Griff bekommen.\u201c<\/p>\n<p>In Einzelgespr\u00e4chen in ihren Klassenr\u00e4umen bekamen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Anschluss von den Zeitzeugen Dietrich Br\u00fcggemann, Johanna Leipold, Henrik Lotz, Alfred Schendzielorz und Hans Fischer einen sehr pers\u00f6nlichen Einblick in eben diese Erlebnisse.<\/p>\n<p>\u201eDas Gef\u00fchl der dauernden Todesangst, das ist eine Sache, die man nur schwer vermitteln kann.\u201c, so Zeitzeuge Alfred Schendzielorz. \u201eDie Sirenen und die Bomber kamen, das geht einem durch Mark und Pfennig \u2013 heute noch!\u201c Dass man nur zu festen Zeiten das Haus verlassen konnte, ein Laib Brot eine Woche lang reichen musste, \u201eB\u00fcckware\u201c nicht wie heute in den Regalen stand und man sich an die amerikanische Kultur erst noch gew\u00f6hnten musste, brachte die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zum Nachdenken. In einer Atmosph\u00e4re, wie sie sich ein Geschichtslehrer f\u00fcr den regul\u00e4ren Unterricht nur w\u00fcnschen w\u00fcrde, hingen sie den Zeitzeugen an den Lippen und stellten durchaus auch kritische Nachfragen zu jenem Zeitgeschehen, das noch heute Fassungslosigkeit ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>\u201eViele waren Nazis, bis sie merkten, was da lief.\u201c Am liebsten verdr\u00e4nge man die eigene Schuld, erz\u00e4hlten Fischer und Schendzielorz. Daher sei es umso wichtiger, aufzustehen, wenn Menschen etwas machen, mit dem man selbst nicht zufrieden ist. \u201eSchreien Sie, werden Sie laut, wehren Sie sich!\u201c<\/p>\n<p>Aber auch von den teils fr\u00f6hlichen Zeiten im Schatten der Geschichte berichteten die Zeitzeugen. \u201eMan war ja noch jung und wollte auch noch etwas haben vom Leben, nicht nur Angst\u201c, antwortete die 98-j\u00e4hrige Johanna Leiphold auf die Frage, wie sie ihre Jugend in Erinnerung habe. Von Tanzstunden oder auch dem Sammeln von Bombensplittern und\u00a0 Spielen zwischen den Tr\u00fcmmern berichteten die G\u00e4ste den Lindenausch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern. Man habe sich \u00fcber kleine Dinge, wie Gl\u00e4ser mit eingemachtem Obst oder Marmelade gefreut, die man in verlassenen H\u00e4usern fand und dann heimlich in den leeren H\u00fchnerst\u00e4llen der Nachbarin vernaschte.<\/p>\n<p>\u201eVieles war fr\u00fcher anders, die Umst\u00e4nde waren anders, die Leute waren anders.\u201c, so die Zeitzeugen, die vor allem von dem Interesse und den vielf\u00e4ltigen, teils tiefgr\u00fcndigen Fragen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erfreut waren. Mit Nachdruck betonten sie, dass sie besonders dankbar sind, an der Lindenauschule zu Gast sein zu d\u00fcrfen, da sie den Eindruck haben, das es immer weniger Interesse daran gebe, was damals passiert ist.<\/p>\n<p>Alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, Zeitzeugen, G\u00e4ste, Unterst\u00fctzer sowie der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Schaffert zeigten sich sichtlich beeindruckt von dem eindrucksvollen und lehrreichen Erfahrungsaustausch und der gegenseitigen Wertsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Beate Merkel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs geht um diese eine Nacht, am 19. M\u00e4rz 1945, in der Hanau aufgeh\u00f6rt hat zu existieren.\u201c Geschichte erlebbar machen \u2013 darum ging es am Freitag, den 13. Dezember in der Lindenauschule in Hanau-Gro\u00dfauheim. Anl\u00e4sslich des 75. 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